Tagesplan mit Piktogrammen erstellen: Schritt für Schritt
Ein Tagesplan mit Piktogrammen zeigt den Tag als Bilderreihe: eine Karte pro Aktivität, in fester Reihenfolge. So erstellen Sie einen visuellen Tagesplan, der im Alltag wirklich genutzt wird, mit Beispiel und den häufigsten Stolpersteinen.
Aktualisiert am 30. September 2026 · 7 Min. Lesezeit
Was ist ein visueller Tagesplan?
Ein visueller Tagesplan zeigt den Ablauf eines Tages in Bildern statt in Worten: ein Piktogramm pro Aktivität, in der richtigen Reihenfolge, von oben nach unten oder von links nach rechts. Viele autistische Kinder, aber auch Kinder und Erwachsene mit ADHS, einer geistigen Behinderung oder einer Demenz, kommen mit so einer Tagesstruktur besser zurecht, weil sie nicht mehr raten müssen, was als Nächstes kommt.
Gesprochene Sprache ist flüchtig. Ein Satz wie „Nach dem Mittagessen gehen wir noch kurz einkaufen und dann zu Oma“ ist gesagt und wieder weg. Ein Bild bleibt. Das Kind kann jederzeit hinschauen, sich vergewissern und den Tag selbst „lesen“. In der Heilpädagogik, in der Unterstützten Kommunikation und im TEACCH-Ansatz ist diese Art der Visualisierung seit Langem verbreitet.
Für wen eignet sich ein Tagesplan?
- für Kinder, die immer wieder fragen: „Was machen wir jetzt? Und danach?“
- für Kinder, denen der Wechsel von einer Aktivität zur nächsten schwerfällt
- für Menschen, die gesprochene Sprache schwer verarbeiten oder (noch) nicht lesen
- für Tage, die anders sind als sonst: Ferien, Arzttermin, Besuch, Ausflug
- für Jugendliche und Erwachsene, die sich im Alltag leicht verzetteln
Tagesplan erstellen in 7 Schritten
1. Den Tag so aufschreiben, wie er wirklich ist
Beginnen Sie nicht mit Bildern, sondern mit einer einfachen Liste auf Papier. Schreiben Sie einen typischen Tag so auf, wie er tatsächlich abläuft, nicht wie er im Idealfall wäre. Wann wird aufgestanden? Was passiert vor der Schule oder der Kita? Wie kommt das Kind nach Hause? Was ist am Nachmittag fest, was offen?
2. Die richtige Menge wählen
Ein kompletter Tag mit 25 Bildern überfordert viele Kinder. Für den Anfang reichen oft 4 bis 6 Schritte, zum Beispiel nur für den Morgen oder nur für den Nachmittag. Manche Kinder brauchen zunächst sogar nur zwei Karten: zuerst dies, dann das. Erweitern können Sie später immer noch.
3. Passende Piktogramme aussuchen
Ein Piktogramm muss für das Kind eindeutig sein, nicht für Sie. Manche Kinder verstehen Strichzeichnungen sofort, andere brauchen Fotos von den echten Dingen, etwa vom eigenen Schulranzen oder der eigenen Zahnbürste. Wichtig ist vor allem: Ein Bild steht immer für dieselbe Sache. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Piktogramme kostenlos finden und richtig einsetzen.
4. Ein Wort unter jedes Bild
Schreiben Sie ein kurzes Wort unter jedes Piktogramm: „Anziehen“, „Frühstück“, „Schule“. Auch Kinder, die nicht lesen, profitieren davon, denn alle Erwachsenen benutzen dann dieselben Begriffe. Das schafft Einheitlichkeit zwischen Eltern, Großeltern, Kita, Schule und Therapie.
5. Die Richtung festlegen
Senkrecht von oben nach unten oder waagerecht von links nach rechts? Beides funktioniert. Senkrechte Streifen passen gut an einen Türrahmen oder an den Kühlschrank, waagerechte Reihen auf einen Tisch oder in ein Heft. Entscheidend ist, dass die Richtung immer gleich bleibt.
6. Erledigtes sichtbar machen
Ein Tagesplan wird erst richtig nützlich, wenn man sieht, wo man gerade steht. Bewährte Möglichkeiten:
- die Karte abnehmen und in eine „Fertig“-Tasche oder -Box stecken
- die Karte umdrehen
- ein Kästchen abhaken
- eine Wäscheklammer oder einen Pfeil eine Karte weiterschieben
7. Gemeinsam einführen
Gehen Sie den Plan anfangs gemeinsam durch, am besten in einem ruhigen Moment und nicht mitten im Stress. Zeigen Sie auf das Bild, sagen Sie das Wort, und machen Sie dann die Aktivität. Nach und nach übernimmt das Kind das Nachschauen selbst. Loben Sie ruhig, wenn es von sich aus auf den Plan schaut.
Beispiel: ein Schultag als Tagesplan
| Uhrzeit | Piktogramm | Wort |
|---|---|---|
| 7:00 | Bett mit Sonne | Aufstehen |
| 7:10 | Toilette | Toilette |
| 7:20 | Kleidung | Anziehen |
| 7:35 | Teller und Becher | Frühstück |
| 7:55 | Zahnbürste | Zähne putzen |
| 8:05 | Schulranzen | Zur Schule |
| 13:30 | Haus | Nach Hause |
| 14:00 | Apfel | Snack |
| 14:30 | Spielzeug | Freie Zeit |
Ob Sie Uhrzeiten dazuschreiben, hängt vom Kind ab. Für manche sind sie eine Hilfe, für andere eine Quelle von Druck, weil jede kleine Verspätung auffällt. Dann ist ein Plan „Schritt für Schritt“ ganz ohne Uhrzeit oft die bessere Wahl. Wie Sie den Morgen im Detail planen, zeigt der Ratgeber Morgenroutine für Kinder.
Den Tagesplan aufhängen und haltbar machen
- Augenhöhe: Hängen Sie den Plan dort auf, wo das Kind ihn ohne Hilfe sehen kann, also auf seiner Augenhöhe.
- Fester Ort: Immer derselbe Platz, zum Beispiel an der Zimmertür oder im Flur neben der Garderobe.
- Laminieren: Laminierte Karten halten länger und lassen sich abwischen.
- Klettpunkte: Mit Klettband lassen sich Karten schnell umhängen, wenn sich etwas ändert.
- Unterwegs: Ein kleines Heft oder ein Schlüsselring mit ein paar Karten passt in jede Tasche.
Wenn Sie nicht alles selbst zusammenbasteln möchten: Mit dem kostenlosen Tagesplan-Generator suchen Sie Piktogramme aus, bringen sie in die richtige Reihenfolge und drucken den Plan direkt aus oder speichern ihn als PDF, ganz ohne Konto.
Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
Zu viel auf einmal
Ein Plan, der den ganzen Tag bis ins kleinste Detail zeigt, kann mehr verunsichern als helfen. Teilen Sie den Tag lieber in Abschnitte: ein Streifen für den Morgen, einer für den Nachmittag, einer für den Abend.
Der Plan stimmt nicht
Wenn auf dem Plan „Spielplatz“ steht und es dann doch nicht klappt, verliert der Plan an Vertrauen. Planen Sie nur, was ziemlich sicher ist. Ändert sich trotzdem etwas, passen Sie den Plan sichtbar und gemeinsam mit dem Kind an, bevor die Änderung passiert. Manche Familien nutzen dafür eine eigene Karte für „Änderung“ oder ein Fragezeichen für alles, was noch unsicher ist. Weitere Ideen finden Sie im Ratgeber Übergänge erleichtern.
Nur Pflichten planen
Ein Tagesplan ist kein Aufgabenzettel. Wenn nur Pflichten darauf stehen, wird er schnell zum Druckmittel. Nehmen Sie auch Lieblingsaktivitäten, Pausen und freie Zeit auf.
Den Plan nur in schwierigen Momenten hervorholen
Ein Tagesplan wirkt am besten, wenn er selbstverständlicher Teil des Alltags ist. Wer ihn nur zückt, wenn es schon kracht, macht ihn zum Signal für Ärger.
Zu schnell aufgeben
Es kann einige Wochen dauern, bis ein Plan selbstverständlich wird. Bleiben Sie dran und ändern Sie lieber Kleinigkeiten, statt den Plan ganz zu verwerfen: andere Bilder, weniger Schritte, ein anderer Ort.
Vom Tagesplan zum Wochenplan
Wenn der Tagesplan gut läuft, kann ein Wochenplan helfen, größere Zusammenhänge zu verstehen: Montag Schwimmen, Mittwoch Ergotherapie, Samstag Besuch bei Oma. Halten Sie den Wochenplan einfach, mit einem Bild pro Tag für das Wichtigste. Den genauen Ablauf zeigt weiterhin der Tagesplan.
Tagesplan auf Papier oder digital?
Papier ist günstig, sofort verfügbar und für viele Kinder am greifbarsten. Digitale Pläne haben andere Stärken: Sie sind schnell geändert, zeigen automatisch, was gerade dran ist, und sind überall dabei. Viele Familien kombinieren beides, etwa einen gedruckten Plan zu Hause und eine digitale Variante für unterwegs.
Mit GentleTime planen Sie den Tag in der Web-App oder auf dem Handy, und das Kind sieht auf einer Smartwatch, was gerade passiert, wie lange es noch dauert und was danach kommt. Eine sanfte Vibration kündigt jeden Wechsel an. Mehr dazu im Ratgeber Smartwatch bei Autismus oder unter Funktionen.
Wenn Sie unsicher sind, welche Form zu Ihrem Kind passt, fragen Sie in der Frühförderung, in der Ergotherapie oder in der Schule nach. Dort gibt es oft Erfahrung mit Visualisierung, und ein einheitlicher Plan zu Hause und in der Schule erleichtert vieles.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter ist ein Tagesplan sinnvoll?
Ein festes Alter gibt es nicht. Schon kleine Kinder können mit zwei Bildern nach dem Muster „zuerst, dann“ etwas anfangen, und auch viele Erwachsene nutzen visuelle Pläne. Entscheidend ist, ob der Plan der Person hilft, nicht das Alter.
Fotos oder Piktogramme?
Das hängt vom Kind ab. Fotos sind sehr konkret, Piktogramme lassen sich leichter verallgemeinern: jedes Frühstück, nicht nur dieses eine. Viele beginnen mit Fotos und wechseln später zu Piktogrammen oder mischen beides.
Wie viele Bilder gehören auf einen Tagesplan?
Für den Anfang meist 4 bis 6. Wenn das Kind sicher damit umgeht, können Sie mehr Schritte aufnehmen oder den Tag auf mehrere Streifen verteilen.
Was mache ich, wenn sich der Tag spontan ändert?
Ändern Sie den Plan sichtbar, bevor die Änderung passiert, und erklären Sie sie kurz. Eine eigene Karte für „Änderung“ oder „Überraschung“ kann helfen, Unvorhergesehenes anzukündigen.
Sollte die Schule denselben Plan verwenden?
Ideal ist es, wenn zu Hause und in der Schule dieselben Bilder und Wörter verwendet werden. Sprechen Sie mit der Lehrkraft oder der Schulbegleitung darüber, welche Piktogramme dort im Einsatz sind.
Tagesplan kostenlos erstellen und drucken
Wählen Sie aus rund 3.000 Piktogrammen, legen Sie die Reihenfolge fest und drucken Sie einen Streifen, eine Reihe oder Karten zum Ausschneiden. Ohne Konto.
Zum Tagesplan-ErstellerDieser Ratgeber enthält allgemeine, praktische Informationen. Er ist keine medizinische, therapeutische oder pädagogische Beratung, und aus ihm können keine Rechte abgeleitet werden. Jeder Mensch ist anders: Für eine persönliche Beratung wenden Sie sich an eine Fachperson, die die Person kennt.